MINMON Podcast #38 by Christian Hammerschmidt

Unser letzter Podcast war dem Spätsommer und der Openair-Saison gewidmet. Wir blicken auf warme Tage, entspanntes feiern im Freien mit viel guter Musik zurück. Für den Herbst und damit dem Podcast Nummer 38 freuen wir uns, euch Christian Hammerschmidt präsentieren zu dürfen.

Im Interview sprachen wir mit ihm über seinen musikalischem Werdegang, seine Labels und warum er keine Tracklist herausgibt. Außerdem dürft ihr euch passend zur Jahreszeit auf einen eher Richtung Techno driftenden Mix freuen.

Steckbrief

Artist: Christian Hammerschmidt
Label: unsigned
Stil: Techno
Born: 80ger
On air since: 1996
Living: Potsdam
Playtime:
Setup: Vinyl oder Allen & Heath Xone K2 & K1 + DrumComputer
Favoriten: ?
Drink: Gin Tonic
Superpower: Der Wuxi-Fingergriff im God Mode

Podcast


(Direktlinks: SoundCloud, Podcast Feed, iTunes, Download)

Interview

Hallo Christian, schön das du Zeit gefunden hast und herzlich Willkommen beim MinMon Podcast. Wie geht es dir?

Mir geht es super! Ich hoffe, euch auch?

Klar uns geht es bestens. Dein Name ist für einige aus dem Potsdamer Umland sicherlich noch ein Begriff und die Erinnerungen gehen in längst vergangenen Partyzeiten zurück. Damals als du noch als ein Teil von Hammerschmidt & Lentz unterwegs warst und die ersten Veröffentlichungen auf dem Label „religio.audio“ erschienen sind. Mit welchem Gefühl blickst du auf die letzten 20 Jahre zurück?

Ich blicke durchweg mit einem positiven Gefühl zurück. Ich habe tolle und interessante Menschen getroffen, die sich so wie ich auf die eine oder andere Weise mit Musik beschäftigen und meistens mindestens genauso durchgeknattert wie ich waren bzw. noch sind.

Wie bist du damals eigentlich zur Musik gekommen? Kannst du etwas mehr zu dem Label „religio.audio“ erzählen?

Eigentlich wollte ich schon recht früh ein Schallplatten-Diskjockey werden. Ich hatte damals (um 1994/95) Freunde, die älter waren als ich und immer nach Berlin zum feiern fuhren. Schon von den Erzählungen und Musikkassetten, die damals kursierten, war ich hin und weg. Mir war dann ziemlich schnell klar, das ist das auch machen will.

So kaufte ich mir ein Paar Plattenspieler und begann Schallplatten zu kaufen. Am Anfang eigentlich ohne spezifischen Stil, einfach alles was gefiel von Break Beats über Techno- Elektro und auch zwei bis drei Trance Schallplatten.

Als ich dann im Jahr  2002 aus Amerika zurück kam, beschloss ich ein Label zu gründen. 2004 war es dann endlich soweit, Julian Lenz und ich hatten einen Namen, eine Idee und eine Philosophie mit der wir religo.audio gründeten. Wir hatten sehr viel Spaß und die Freiheit, dass was wir damals als „angemessen“ befanden zu veröffentlichen. Es gab schon nach der ersten Veröffentlichung einen weltweiten Vertrieb. Damit hatten wir genug Ego und Bewegungsfreiheit um uns auszutoben, Geld zu verdienen und es natürlich auch wieder zu verbrennen. Es war toll die Musikindustrie aus einem anderen Blickwinkel mit vielen Facetten kennenzulernen.

Seit wann gibt es das Labels nicht mehr und warum?

Im Jahre 2010 wurden dann religio.audio und auch das zwischenzeitlich gegründete Sublabel afterhour.schallplatten aufgelöst.

Und wie man so schön sagt „wegen unüberbrückbaren Differenzen“ im Musikalischen, sowie im Zwischenmenschlichen Bereich.

Wann waren für dich die stärksten musikalischen Jahre ?

Ich bin doch noch jung, soll heißen das weiß ich noch nicht. Man kann jeden Tag etwas lernen und manchmal braucht das ein bisschen, bis man z.B. Produktionsabläufe oder gewisse Prozesse verstanden, angenommen und dann etabliert hat. Heute weiß ich rückblickend, dass auch das Ohr, sowie das Hören im allgemeinen geschult werden muss.

Ich denke, ich habe weiterhin Spaß an und mit der Musik. Somit hoffe ich, dass mir die Frage nochmal in 40 Jahren gestellt wird um eine finale Antwort zu geben.

Nenne doch mal vier Clubs in denen Du gespielt hast und die dir bis heute in Erinnerung geblieben sind?

Mailand / New York / Ibiza etc … ich weiß gerade gar nicht was ich hiervon als erstes aufzählen soll. Hier mal ein spontaner Abriss :

  • Club 4 – Barcelona / Es tropfte von der Decke
  • Maria am Ostbahnhof – Berlin / da war der erste live Auftritt von Hammerschmidt & Lenz ganz ohne Laptops – nur Geräte
  • Rote Sonne – München / nie bekam ich so viele Getränkegutscheine wie dort
  • Off Location – Valencia / 1,5 Liter Grey Goose Wodka & Champagner das war etwas übertrieben

Du hattest mir erzählt das du keine Tracklist zu deinen Sets herausgeben möchtest. Hast du mal eine schlechte Erfahrung damit gemacht?

Schlechte Erfahrung … Ja … Nein … Jein. In meiner Vorstellung eines künstlerischen Prozesses als Deejay im allgemeinen ist es ein Unding seine musikalische Bandbreite auf Copy & Paste zu beschränken. Ohne jetzt die „früher war alles besser“-Schiene zu fahren  – war es doch vor 15 oder 20 Jahren mit etwas mehr Aufwand verbunden sich seine Musik herauszusuchen. Die wöchentliche Stunde(n) im Plattenladen waren Großartig um festzustellen, dass neben deinem Tellerrand noch so viel mehr gute Musik darauf wartete entdeckt zu werden. Es gab vor 20 Jahren, aus meiner Erinnerung, nicht diese Linientreue durch die bedingt ein Deejay- Set aufhören musste wie es angefangen hatte, man bewegte sich mehr in übergreifenden Genres und spielte, das was gerade passte und gefiel.

Dadurch bekam ich einen guten Überblick über andere Labels und Künstler, die man nicht immer als „Genre Vertreter“ zugeordnet hatte. So gab es einfach mehr Abwechslung und Stilbreite. Durch die heutigen Onlineplattformen hat man die Möglichkeiten sich Musik schnell und bequem zuzuführen. Das ist großartig und ich verstehe vollkommen, wenn jemand die Charts durch sieht und sagt:“(..) dies und das ist mein Geschmack her damit.“ Aber die Realität sieht doch so aus, dass wir nicht immer „PeakTime“ spielen, sonder zu vielen anderen Zeiten- ob Tag oder Nacht. Man kann nur schwer jede Zeit bespielen, wenn man nur Charts oder Tracklisten von Deejays nachkauft und/oder kopiert.

Ich habe kein Problem damit den Namen des Tracks, Labels oder Künstlers zu nennen. Nur finde ich es wichtig das die Leute sich selber mehr Mühe geben und nach weiteren Veröffentlichungen des Künstlers oder des Labels suchen und recherchieren. Halt einfach nicht nur das beliebte „copy-and-paste“-Prinzip.

Es ist seit einiger Zeit ruhig um dich und deine Musik geworden. Gibt es einen Grund dafür?

Ja es ist ruhiger geworden, aber ich fühle mich sehr wohl damit. Ich habe Zeit und Platz mich auf das zu konzentrieren, woran ich gerade Spaß habe. Vor etwa fünf Jahren habe ich beispielsweise angefangen in Kleinstauflage Studioequipment wie z.B. Frequenzverzerrer oder Dynamikwerkzeuge unter dem Namen Hammerschmidt Labs zu entwickeln. Das funktionierte überraschend gut, verschlang aber manchmal Wochen um nur kleine Schritte voranzukommen. In diesem Zuge habe ich mein gesamtes Studio neu konzeptioniert und somit viel erneuert was mir jetzt mehr Freiräume im Schaffensprozess ermöglicht.

Ich bin aber auch immer noch als Musikproduzent tätig und das verschafft mir einen großartiger Ausgleich zu dem was ich sonst nur mit mir musikalisch ausmache. Sich und seine Arbeitsweise zu hinterfragen, sich zu entwickeln und  sich zu bilden ist etwas tolles. Ich denke in naher Zukunft habe ich wieder die Möglichkeiten und auch das Interesse unter meinem Namen etwas zu veröffentlichen. Aber in den letzten Jahren fand ich es sehr angenehm alles auszuprobieren was mir spannend vorkam ohne den Druck einer Veröffentlichung im Nacken zu haben.

Vielen Dank für deine Zeit und deinen Mix.

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